Die Chronik eines Sieges

Andre Müller vom Dragrace Team Potsdam gewinnt in Hockenheim die Klasse Super Comp. Er ist einer von zwei Deutschen, die bei den NOX eine Klasse für sich entscheiden können. In den letzten Jahren fuhr er in der Klasse Super Pro ET, auch in der Supro ET Challenge war er sehr erfolgreich, (unter anderem Vize Meister 2014) doch für dieses Jahr will er bei den NOX wieder in seiner alten Klasse, Super Comp antreten. Die Klasse hat einen Index von 8.9 Sekunden, Doorslammer, Dragster, Funnycars und Altereds sind erlaubt, ebenso ein Throttlestop. Das ist ein Hilfsmittel um den Dragster einzubremsen. In den Bracketklassen verboten und seither im Schrank aufbewahrt, kommt er seit Jahren bei Andre’s Oldsmobile Cutlass wieder zum Einsatz.

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Warum der Klassenwechsel? Bei den PRD erklärte er: ’’Der Full Tree (die gelben Lampen laufen mit 0,5 Sekunden hintereinander runter, bis das grüne Licht kommt) der Bracket Klassen liegen mir nicht so sehr, der Pro Tree (alle gelben Lampen gehen auf einmal an und 0,4 Sekunden später kommt grünes Licht) taugen mir mehr’’.

So, nun viel Spaß bei der Zeitreise zurück zu den PRD und den NOX mit Andre’s Worten:

Am Freitag vor den PRD um 14.30 Uhr sind wir in Hockenheim eingetroffen und erst einmal mussten wir 3,5h warten, bis wir um 18.00 Uhr reingelassen wurden (laut Plan Einlass ab 17.00 Uhr). Dann Aufbau des Lagers. Samstag früh Rennstrecke begutachtet und für „da geht etwas“ befunden. Dann Rennauto vorbereitet und die Entwicklung der Bahn beobachtet.

Nachmittags ging es zum 1. Testlauf, der ging leider in die Hose, da das Transbrake nicht funktionierte. Also ohne Erkenntnisse zurück ins Lager (dauert ja immer sehr lange, weil der H-Ring an den PRD so voll ist). Danach natürlich Fehlersuche, es dauerte eine Weile, aber ein defektes Relais wurde als Übeltäter lokalisiert. Leider schafften wir dann keinen Testlauf mehr bis zum Abend.

Max Luding

Sonntag, voll motiviert die letzte Einstellung von 2010 in den Throttlestop-Controller (damit bin ich 2010 kostant 8,904 Sekunden und 8,903 Sekunden gefahren, seither habe ich ihn nicht mehr benutzt) eingestellt, und erstaunlicher weise eine 8,79 gefahren. O.K., Auto läuft super, Throttlestop etwas hochgesetzt und auf den nächsten Testrun gewartet.

Der 2. Testlauf war dann eine 8,84. Immer noch zu schnell, und das alles bei superheißen 35 Grad (oder mehr). Zum 3. Testlauf also noch einmal den Throttlestop nachgestellt. Dieser Run war dann bei einer langsam zu heiß und schmierig werdenden Bahn immernoch eine 8,87 Sekunden! Somit waren wir auf dem richtigen Weg und beschlossen diese Einstellung für die Nitro´s zur ersten Quali zu nehmen, da ja mindestens die gleichen (oder noch etwas mehr Hitze) Bedingungen angesagt waren.

Müller FB

Am Mittwoch vor den NOX neues Lager fertig gestellt und abends noch das Rennauto vor die Halle der technischen Abnahme gestellt, um am Donnerstag nicht zig Stunden in der Hitze anzustehen (war genau die richtige Entscheidung). Am Donnerstag dann die technische Abnahme ohne Mängel bestanden und dann das Auto für Freitag vorbereitet.

Am Freitag dann die 1. Quali und auf Anhieb ein perfekter Lauf. 8,900 Sekunden, Top-Qualifier, was für ein Lauf. Geplant war eigentlich, Freitag in der 1. Quali einen guten Lauf zu machen und dann wegen der Hitze am Nachmittag den 2. Qualilauf auszusetzen, da der Fahrer aber fahrgeil war und diese Zeit noch einmal bestätigen wollte, nahmen wir doch an der 2. Quali teil. Ergebnis, mit gleicher Einstellung leider etwas zu schnell (8,882 Sekunden). O.K., nicht so schlimm, danach Füße ins Planschbecken und den Rest des Tages gechillt und Benzingespräche geführt. Abends dann das Auto für Samstag vorbereitet, und den Throttlestop etwas nachgebessert (Ziel war immer noch die 8,90 Sekunden zu bestätigen).

Samstagmorgen dann die 3. Quali und, trotz nachgestelltem Throttlestop wieder eine 8,886 Sekunden. Hmm, iss wohl die Bahn noch etwas besser geworden also wieder zurück ins Lager, Sprit aufgegossen, Throttlestop nochmals nachgestellt, Füße ins Wasser und auf die 4. Quali gewartet. Dann nachmittags bei super Hitze der 4. Qualilauf, beim fahren merkte ich, das die Bahn schon langsam schmierig wurde, da das Auto unruhig auf der Hinterachse war. Ergebnis 8,874 Sekunden…noch schneller trotz nachgestelltem Throttlestop…oho, die Bahn war trotz der Mörder Hitze schneller geworden.

Die Nightshow habe ich ausgelassen und habe mir eine Taktik für Sonntag überlegt und das Auto vorbereitet (gibt ja eigentlich nie etwas zu schrauben an meinem Wagen). Sonntag dann für die 1. Elimination Pokerspiel mit der Throttle-Stop Einstellung. Das Ergebnis dann eine 8,902 Sekunden. Da war sie wieder die 8.90er Zeit, da hatten wir die Einstellung sehr gut gewählt.

Siegerehrung

Für die 2. Elimination gegen Gerd Habermann wollte ich doch auf Nummer sicher gehen und stellte den Throttle-Stop noch etwas nach, um nicht den Index zu unterfahren. Mit Reaktionszeiten von 0,071 Sekunden (Gerd) und 0,080 Sekunden (Ich), war das an der Ampel schon mal sehr knapp. Das Ergebnis, Gerd ist mit 8,88 Sekunden zu schnell und ich bin eine Runde weiter mit einer Zeit von 8,974 Sekunden, gut so.

Zum Finale hin, wusste ich aber, dass ich mit einer Zeit von 8,97 Sekunden nicht gewinnen kann und stellte den Throttle-Stop noch einmal etwas runter.

Das Finale dann gegen Eric Mathis in seinem wunderschönen Belair. An der Ampel hatte ich ihn schon. Meine RT von 0.054 Sekunden gegen seine 0.236 Sekunden bescherten mir einen guten Vorsprung. Kurz vor dem Ziel hatte ich einen Vorsprung und lupfte sicherheitshalber kurz den Gasfuß, um nicht zu unterfahren. Und dann, ich fuhr erneut eine unfassbare 8.90 Sekunden Zeit, und das im Finale. Eric brach aus und ich war der Sieger der 30sten Nitrolympx.

Fazit für mich und mein Team, von den PRD bis zu den NOX haben wir alles richtig gemacht. Das Auto lief wie gewohnt konstant, das Team arbeitete Hand in Hand und der Fahrer hat auch ganz gut funktioniert. Das erstaunlichste für mich war aber, dass wir den Throttle-Stop so gut im Griff hatten, da ich damit vorher (2009-2010) nur insgesamt 12-15 Läufe (auch nur in Hockenheim) gemacht hatte und ihn jetzt erst wieder aus dem Schrank herausgeholt habe. Das war für mich und mein Team genau die richtige Entscheidung, bei den NOX in Super Comp anzutreten. In den Jahren 2007-2010 startete ich auch in SC bei den Nitro´s und belegte 3x den 3.Platz und 1x den 2.Platz. Also, Andre in Hockenheim only in Super Comp.

Nach seinem Sieg ist hier nichts mehr hinzuzufügen. Gratulation auch von unserer Seite.

Markus Münch für Dragmag.de

Bilder: Markus Münch, FB Team + Max Luding, Video: RMA’s youtube Chanel.